Umgang mit Umbrüchen

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Wer lernen soll, muss lernen wollen.

Georg-Wilhelm Exler

Was müssen Sie wissen?

Die Globalisierung galt in den letzten Jahrzehnten als das Erfolgsmodell zur Stärkung von Wirtschaftswachstum und Wohlstand. Nun scheint sie ins Stocken zu geraten. Multiple Krisen setzen der Wirtschaft zu und führen zu Planungsunsicherheiten bei Unternehmen. Vor allem international agierende Konzerne sind von geopolitischen Unsicherheiten und Ressourcen-Knappheit bzw. -Verschiebung enorm betroffen. Vorausschauendes Handeln ist für sie extrem schwierig geworden. 

Quasi „on top“ sind Unternehmen zusätzlich von teilweise überbordenden EU-Vorgaben betroffen, die ihrerseits ebenfalls keine stabilen Leitplanken darstellen. Wenn der vor wenigen Jahren präsentierte „Green Deal“ nun durch Omnibus-Verordnungen abgeschwächt wird oder niemand mit Sicherheit sagen kann, ob das paktierte Aus für Verbrennermotoren 2035 tatsächlich kommen wird, entstehen Frustration und Orientierungslosigkeit. Das sind nicht die notwendigen politischen Rahmenbedingungen, um Unternehmen zu ermutigen, in nachhaltiges Wirtschaften zu investieren.

Ein mögliches Szenario ist die Re-Globalisierung. Das beschreibt keine Abkehr von der Globalisierung, sondern deren grundlegende Neuausrichtung. Ausgelöst durch Krisen wie die COVID-19-Pandemie, den Ukraine-Krieg sowie Lieferketten- und Energieprobleme werden globale Abhängigkeiten zunehmend hinterfragt. Während frühere Globalisierung wirtschaftliche Effizienz über politische Rahmenbedingungen stellte und Investitionen stark in autokratische Staaten verlagerte, rücken heute Risikominimierung und Diversifikation in den Fokus.

Unternehmen und Staaten setzen dabei verstärkt auf „Friendshoring“, Nearshoring und widerstandsfähigere Lieferketten, um Abhängigkeiten zu reduzieren, Resilienz zu erhöhen und Kosten sowie CO₂-Emissionen zu senken. Ziel ist mehr Stabilität, mehr Vertrauen und strategische Autonomie, ohne den globalen Handel aufzugeben.

Ein offenes, multilaterales Handelssystem wird immer wichtig bleiben, darum ist eine zunehmenden Fragmentierung durch geopolitische Spannungen gefährlich. Dies betrifft nicht nur Europa, auch für für Schwellen- und Entwicklungsländer bleibt der internationale Handel entscheidend. Offen bleibt dabei, ob diese Länder die von westlichen Unternehmen geforderte politische Stabilität bieten können oder sich eher an China und Russland orientieren werden.

Es ist jedenfalls nicht ratsam, das Rad zurückzudrehen und die alte Normalität wiederherstellen zu wollen. Denn: „normal“ war eine multiple Krise: Normal war Ungleichheit, die zunehmende Schere zwischen Arm und Reich. Normal war Unterdrückung in vielen Ländern der Welt, normal waren Klimakatastrophe und Biodiversitätsverluste. Normal war eine Wirtschaft, die auf fossilen Energien aufbaut und weite Zerstörung verursacht hat.

In die alte Normalität zurückfallen ist also eindeutig keine Option. Grundsätzlich muss man vorsichtig sein, wenn man davon spricht, dass Krisen auch Chancen bergen – das kann schnell als Zynismus interpretiert werden. Aber natürlich bringen die aktuellen Krisen einen entscheidenden Wendepunkt: Wir können jetzt entweder in der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung drei Stufen zurück fallen – oder wir machen einen großen Sprung nach vorn. Dies geht aber nur, wenn der Fokus der Wirtschaft ganz eng mit Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit verknüpft wird und nicht auf alte Rezepte gesetzt wird.

Zentral dabei ist eine proaktive, vernunftbasierte Wirtschaftspolitik, die von Beginn an die Zukunft mitdenkt. Dies betrifft auch die Unterstützung für Unternehmen: Hier sind klare Vorgaben und ein klares Bekenntnis inklusive Handlungen im Bereich der Nachhaltigkeit das Minimum an Anforderungen, das zu erfüllen ist. Hier sind konkrete Konzepte für eine nachhaltige, zukunftsfähige und strikt klimaneutrale Wirtschaft gefragt, inklusive Nutzung der Hebel Public Procurement und anderer Incentivierungsmaßnahmen. 

Das bedeutet nicht nur das Festhalten am Ziel der Klimaneutralität bis 2040, wie im österreichischen Regierungsübereinkommen festgeschrieben, sondern echte Transformation der Wirtschaft, u.a. mit einer wirklich effektiven Ökologisierung des Geld- und Steuersystems. Dies ist kein Widerspruch zur Prosperität – im Gegenteil.

Österreich wie auch Deutschland sind Länder der KMU, d.h. es gibt viele familiengeführte und oft sehr wertorientierte Unternehmen, die eine aktive, zukunftsorientierte Wirtschaftspolitik wollen und brauchen.

Eine Studie kurz vor Beginn der Corona-Krise über die Zukunftsfähigkeit österreichischer nachhaltiger Unternehmen hat gezeigt: Es gibt eine klare Korrelation zwischen Nachhaltigkeit, Optimismus und Resilienz.

Das bedeutet: Nachhaltige Unternehmen sind gleichzeitig optimistischer und widerstandsfähiger. Viele Unternehmen beweisen dies in der Krise: Auch wenn sie schwer betroffen sind, nutzen sie die Zeit, um Neues anzugehen: Neue Produkte, neue Vertriebskanäle, neues digitales Denken. Und: Sie lassen sich nicht unterkriegen und bleiben optimistisch.

Wesentliche Basis dafür: Wirtschaft und Nachhaltigkeit nicht als zwei Welten zu betrachten, die einen Widerspruch darstellen, sondern Nachhaltigkeit als Grundhaltung sehen, nach der sich jedes Unternehmen und jede politische Institution zu richten hat.

Beim Blick zurück in die Geschichte zeigt sich, dass ein Wertewandel immer mit einem ökonomischen Paradigmenwechsel einher ging. Genau da steht die Gesellschaft heute: Am Beginn eines wirtschaftlichen Paradigmenwechsels, der immer mehr an Fahrt aufnimmt – mit den entsprechenden Ups and Downs.

Was können Sie tun?

Eigenschaften und Prinzipien, die in Umbruchszeiten wichtig sind:

  • Verantwortung – für uns und andere
  • Kommunikationsfähigkeit – auch um Spaltungen zu vermeiden
  • Flexibilität – schnell (re)agieren, sich anpassen
  • Optimismus – in Lösungen denken
  • Reflexion – nachdenken worum es geht, Ziele statt Normen
  • Zufriedenheit – weniger ist oft mehr

Was können wir für Sie tun?

  • Sparring und Fach-Coaching für Führungskräfte zu Fragen der Verantwortung
  • Unterstützung bei Transformationsprozessen – u.a. mit der ZEITENWENDER GmbH
  • Eid für Verantwortungsvolles Management zum Download

Weiterführende Literatur

  1. Müller-Funk W. (2025). Grenzen. Ein Versuch über den Menschen. Matthes und Seitz, Berlin
  2. Marwecki D. (2025). Die Welt nach dem Westen. Über die Neuordnung der Macht im 21. Jahrhundert. Ch. Links Verlag, Berlin
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