R. Edward Freeman erhält Lifetime Achievement Award, fordert eine Revolution und rockt die Party.

„We are in the midst of a revolution – no less than rewriting the story of business“, so der US-Forscher, Ökonom und Philosoph R. Edward Freeman im Rahmen der Verleihung des Lifetime Achievement Awards am Abend des 1. Konferenztages.

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Ed Freeman hat mit der Begründung der Stakeholder Theorie als Gegenstück zur einseitigen Shareholder Value Betrachtung bereits in den frühen 80er Jahren eine Art Revolution eingeleitet. Und er will mehr: „The current story of business is about the money. We need a new story“. Während das alte Narrativ von Wirtschaft auf Profit, Zielkonflikte und (noch immer) Shareholder-Value setzt, müsse die neue Story von Kollaboration und Verantwortung erzählen.

5 Prinzipien gehören zur neuen Story:

  1. Value Creation Principle: Gute Unternehmen kreieren andauernd Wert für alle ihre Stakeholder. Dabei kommt es darauf an WIE sie Wert kreieren und ein Zusammenwirken mit der Gesellschaft gestalten (die praktische Anwendung von Business Ethik). Der Essenz von Kapitalismus ist der Wunsch, Wert für andere Menschen zu schaffen.
  2. Purpose Principle: Unternehmer starten ihr Business nicht, um Geld zu machen, sondern weil sie für eine Idee brennen, nach dem Motto „Get the purpose right, profits follow“.
  3. Interconnection and No-trade-off Principle: Unternehmen schaffen durch ihre Fähigkeiten Wert für alle in einem Ausmaß, wie das niemand allein kann. Dafür müssen Unternehmen Zielkonflikte inakzeptabel machen.
  4. Friction Principle: Unternehmen müssen in ihren Werten herausgefordert werden und sich selbst hinterfragen. Konflikte werden als Chance verstanden.
  5. „People are complicated“- Principle: Es gibt es nicht, das pure ökonomische Eigeninteresse. Menschen haben unterschiedliche Werte und Unternehmen sind menschliche Institutionen. Das muss berücksichtigt werden, um ein – quote – „Kick-ass- Business“ zu führen…

„Wir sind nur so gut, wie die Geschichten, die wir erzählen können. Wir können uns eine neue Welt ausdenken“, so Freeman. Dazu braucht es Unterstützung bzw, eine Änderung bestehender Mindsets: Unternehmen selbst müssen Beziehungen als mehr als reine Transaktionen begreifen und Kommunikationskanäle ändern; die Politik muss Wertschöpfung auf Basis von Zusammenarbeit ermöglichen statt auf Basis der „alten“ Story zu regulieren; Business Ethik ist die Basis!; Sozialwissenschafter müssen ihre Forschungsarbeit nach Wahrheit und Brauchbarkeit orientieren; Universitäten müssen auf gesellschaftliche Innovation ausgerichtet werden.

Sein Wunsch: Unternehmen sollen Institutionen der Hoffnung werden. „Seid die Generation, die Unternehmen besser macht,“ appellierte er an die Zuhörer. Dazu muss die einzige unendlich verfügbare Ressource der Menschheit gehebelt werden: kreative Vorstellungskraft. Nur diese Kreativität kann die ewig ins Feld geführten Zielkonflikte – z. B. zwischen Unternehmen und Community – und Sachzwänge auflösen. Jeder dieser Zielkonflikte sei eine Chance für Wertschöpfung – „conflict rocks“ so Freeman.

Auch Ed Freeman rockte – bei der Dinner Reception mit Bandbegleitung erklomm der Professor der Darden School of Business Administration kurzerhand die Bühne und gab bestens gelaunt ein paar Rock- und Blues-Nummern zu besten.