Starke Aussagen – ernstzunehmende Ansage

Gabriele Faber-Wiener und Barbara Coudenhove-Kalergi

„Ehrlich gesagt, ich weiß nicht welchen Knopf wir drücken müssen“. Das war der ernüchternde Einstieg von John Elkington, Begründer der Triple Bottom Line (der 3 Säulen der Nachhaltigkeit) bei seiner Eröffnungsrede anlässlich der 6. Internationalen CSR-Konferenz Anfang Oktober in Berlin.

Ein Pessimismus den er in der Folge widerlegte: Er skizzierte sehr wohl seine Vorstellungen, was zu tun wäre. Die notwendigen Schritte gehen laut Elkington zwischenzeitlich weit über die von ihm vor Jahrzehnten skizzierten drei Säulen der Nachhaltigkeit – Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt – hinaus.

Fundamentale Änderungen statt win-win

Es geht nun um die Fundamente von Wirtschaft und Gesellschaft. Ging es in den letzten Jahrzehnten um Implementierung von Nachhaltigkeit, so geht es jetzt um Transformation. Zehn Schritte sind laut Elkington dafür notwendig, angefangen von den richtigen Bestrebungen und Zielen, neuen Unternehmensstrukturen, bis hin zu neuen Bilanzierungsrichtlinien und Kalkulationen von echten Unternehmenserträgen. Damit sind wir weit weg von den einfachen Lösungen, die momentan so beliebt sind. Elkingtons Conclusio: „You cannot have Sustainability through win-win“

CSR Konferenz Berlin: Entwicklungsstufen, (c) Tima Bansal, adaptiert durch Faber-Wiener

Abb. 1: Internationale CSR Konferenz Berlin: Entwicklungsstufen, (c) Tima Bansal, adaptiert durch Faber-Wiener

Schwierig aber notwendig: Systemveränderung

Die zweite Keynote-Speakerin, Tima Bansal von der Ivey Business School, schlug in dieselbe Kerbe: Sie bezeichnete CSR nur als eine Übergangsphase (s. Abb. 1) und skizzierte drei Ebenen die angegangen werden müssten (s. Abb. 2). Die leichteste – und derzeit zumeist praktizierte – bezeichnet sie als „Eco-Efficiency“, d.h. zumeist punktuelle, technische Lösungsansätze. Schwieriger wird schon die nächste Ebene: „Organizational Transformation“, also andere Organisationsformen. Die schwierigste ist ihrer Meinung nach zugleich die wirklich notwendigste: Systemaufbau und –veränderungen wie z.B. der Umbau in eine echte Kreislaufwirtschaft.

Internationale CSR-Konferenz Berlin

Abb. 2: Internationale CSR-Konferenz Berlin: Lösungsebenen (Grafik von Tima Bansal, adaptiert durch Faber-Wiener)

Nested Complexity statt Triple Bottom Line

Schlüssel dafür sind laut Tima Bansal erstens eine systemische Sicht der eigenen Organisation, eine Veränderung auf Branchenebene, ein „Change of Mindsets“, Diskurs, d.h. Dialog mit der Zivilgesellschaft und das Schaffen von Innovationsprozessen in denen Nachhaltigkeit eingebettet ist, d.h. kurz und prägnant: Nested Complexity statt Triple Bottom Line.

Dazu braucht es nicht nur Veränderung im Denken und Handeln auf Unternehmensebene sondern auch eine neue politische Haltung – Tima Bansal nennt sie „Governments 2.0“, d.h. wir brauchen Regierungen die mit Incentives, Steuern und Regularien einen Rahmen und Gelegenheiten für echte Innovationen schaffen.

Ein Gedanke zu “Starke Aussagen – ernstzunehmende Ansage

  1. Auch wir vom Institut für Angewandte Management Wissenschaften St. Gallen beschäftigten uns in einer Studie mit Grenzen und Möglichkeiten der Durchsetzung von CSR. Im Endeffekt geht es wirklich um einen Systemwandel. Im Prinzip kann dieser unserer Meinung nach von drei Seiten evoziert werden, nämlich Konsumenten (1), Unternehmungen (2) sowie staatlichen respektive überstaatlichen Organisationen (3). Die Beweggründe lassen sich dabei auf Push- und Pull-Mechanismen nachhaltiger Entwicklung zurückführen. Ganz basal ist aber der oben erwähnte Change of Mindset, womit Information und Bildung als wesentlich herauszustellen sind.

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