Ethik Glossar

Ethik

Ethik ist griechischen Ursprungs, Ethos bezeichnete einen Ort, an dem bestimmte Gewohnheiten gelten. Heute ist Ethik eine Disziplin der Philosophie, die allgemeine Beurteilungskriterien, methodische Verfahren oder höchste Prinzipien für die Begründung oder Kritik von Handlungsregeln oder normativen Aussagen darüber, wie man handeln soll, entwickelt. Ethik fragt nach den maßgeblichen Grundsätzen, die unser Handeln leiten sollen. Kernfrage: Wie soll ich handeln?
Ethik beschäftigt sich mit dem Sollen – und ist immer ein Prozess, um etwas zu verbessern. Ethik ist die kritische Reflexion der Moral. Da Ethik eine wissenschaftliche Disziplin darstellt, gibt es den Begriff „unethisch“ de facto nicht (im Gegensatz zu „unmoralisch“).

Wirtschaftsethik

Wirtschaftsethik befasst sich damit, wie ökonomisch Handelnde moralische Fragen analysieren, bearbeiten und entscheiden. Gegenstand ist die Anwendung ethischer Prinzipien auf den Bereich wirtschaftlichen Handelns. Es geht um die Frage: Geht es in der Wirtschaft mit rechten Dingen zu? Wie müsste es zugehen, damit Wirtschaft als legitim und verantwortungsvoll gelten kann? Ihre Funktion ist die einer Orientierungshilfe für aktuelle Debatten durch Reflexion, Methoden und kritische Analyse.
Eine wichtige Unterscheidung ist die der Verantwortung des Einzelnen (Individualethik) und der Verantwortung von Unternehmen, Gruppen, Verbänden, der Politik oder der gesamten Gesellschaft (Institutionen- und Sozialethik).
Die in der Praxis von einer Wirtschaftsethik inhaltlich zu beurteilenden Fragen weisen eine enorme Vielfalt auf. Die Themen betreffen unter anderem Verletzung der Menschenrechte, Bevölkerungswachstum, Arbeitslosigkeit, Umweltzerstörung, Klimawandel, Energiemangel, Korruption uvm.

Zwei wichtige Strömungen im deutschsprachigen Raum:

  • Die integrative Wirtschaftsethik von Peter Ulrich, ehemaliger Leiter des Ethikinstituts der Universität St. Gallen. Peter Ulrich begreift Ethik als tragende Grundlage legitimen unternehmerischen Erfolgsstrebens: Wer moralisch handelt, baut Reputation auf und wird so auch erfolgreich sein. Profitmaximierung ist aus Ulrichs Sicht unlogisch. Es würde bedeuten, dass alle anderen Marktteilnehmer zu reinen Produktionsfaktoren verkommen. Mitarbeiter, Lieferanten, Kunden, Umwelt würden als Mittel zum Zweck der Profitmaximierung eingesetzt. Eine ethische Haltung verlangt aber, dass die Rechte aller Stakeholder berücksichtigt werden sollen – und nicht nur vom ökonomischen Eigeninteresse ausgegangen werden kann. Seine Antwort lautet daher: Profitorientierung statt Profitmaximierung.
  • Der Institutionen-ökonomische Ansatz von Karl Homann, ehemaliger Inhaber des Lehrstuhls Philosophie und Ökonomik der Ludwig-Maximilian-Universität München. Homann geht u.a. davon aus, dass nur Institutionen die Rahmenbedingungen für ethisch richtiges Handeln von Unternehmen setzen können, da moralisches Handeln meist zu Nachteilen im Wettbewerb führt. Es braucht also die richtigen Steuerungs- und Anreizsysteme.

Business Ethik (Unternehmensethik)

Bei der Unternehmensethik kommt es auf die ethische Qualität der Geschäftstätigkeit an. Strikte Gewinnmaximierung kann keine legitime unternehmensethische Handlungsorientierung sein, denn das würde bedeuten, dass alle konkurrierenden Wertgesichtspunkte (selbst moralische Rechte anderer) ungeprüft dem Gewinnziel untergeordnet würden.
In der Unternehmensethik geht es aber um die moralische Pflicht der Unternehmens-Leitung, die legitimen Ansprüche und moralischen Rechte aller vom unternehmerischen Handeln Betroffenen zu wahren (bzw. verantwortungsvoll zu prüfen) .
Die Aufgabe der Unternehmensethik ist die Untersuchung und Diskussion, wie Gewinn erwirtschaftet und Wachstum/Wertschöpfung erreicht wird, ob sich das Unternehmen an höchste Prinzipien/Werte hält oder Gewinn „um jeden Preis“ machen will, und ob es um unendliche Gewinnmaximierung oder qualitatives Wachstum in einer „nachhaltigen“ Lieferkette geht.

Moral

Moral hat lateinische Wurzeln und bezeichnete die guten Sitten, die in einer Gesellschaft gelten. Moral ist die Gesamtheit der in der Gemeinschaft geltenden Normen, zur Regelung des Zusammenlebens, die nicht aufgrund bloßer Übereinkunft, sondern der Einsicht entspringen, dass sie die bestmögliche Form des menschlichen Zusammenlebens garantieren.
Moral beschäftigt sich mit dem, was ist.

Unternehmenswerte

Werte sind Vorstellungen von Menschen und Gesellschaft, was im Leben „gut“ und wünschenswert ist. Werthaltungen sind persönliche Einstellungen, Ideale, „Heiligtümer“, an denen wir uns oder die Gesellschaft messen. Sie sind zentral für die Organisation einer Gesellschaft. Moralische Werte sind legitime Erwartungen (z.B. bezüglich der Grundbedürfnisse) an uns und die Gesellschaft.
Werte spielen deshalb eine besondere Rolle für Unternehmen, weil sie die Handlungen und Entscheidungen auch über eine konkrete Situation hinaus beeinflussen. Werte sind ein Versprechen des Unternehmens an seine Stakeholder.

Fünf gute Gründe für Unternehmenswerte:

  1. Identitätsstiftung
  2. Legitimation von Entscheidungen (s. u. Legitimation)
  3. Schaffung von Gemeinsamkeiten
  4. Motivation
  5. Machen Ethik explizit

Compliance

Bezeichnet die Einhaltung von gesetzlichen Bestimmungen, regulatorischer Standards und Erfüllung weiterer, wesentlicher und in der Regel vom Unternehmen selbst gesetzter ethischer Standards und Anforderungen und umfasst alle taktischen Maßnahmen, die eine regelkonforme Erreichung der Corporate Governance sicherstellen soll.
Mit der Einführung der Compliance werden die Unternehmen verpflichtet, ihre Geschäftsprozesse zu definieren, Transparenz zu schaffen und eine effektive Gestaltung der Organisation zu etablieren. Durch Compliance soll außerdem eine Übereinstimmung von unternehmerischen Handeln und gesellschaftlichen Wertvorstellungen erreicht werden.

Glaubwürdigkeit

ist die Basis für die Wirksamkeit jeder Handlung und Kommunikation und wird somit immer mehr auch zum ausschlaggebenden ökonomischen Faktor. Glaubwürdigkeit ist subjektiv, d.h. entspricht der vom jeweiligen Empfänger einer Information angenommenen Wahrheit und nicht unbedingt der Richtigkeit einer Behauptung. Zwei Komponenten machen Glaubwürdigkeit aus: Kompetenz und Vertrauenswürdigkeit Kompetenz verlangt einerseits umfassendes Wissen, andererseits eine umfassende Kommunikation, nicht nur die Vermittlung des Selbstbildes. Und Vertrauenswürdigkeit wiederum verlangt Selbstkritik oder – zumindest –Selbstreflexion.

Vertrauen

Vertrauen ist die subjektive Überzeugung von der Richtigkeit, Wahrheit bzw. Redlichkeit von Personen, von Handlungen, Einsichten und Aussagen eines anderen oder von sich selbst (Selbstvertrauen).
Vertrauen ist zukunftsbezogen und beruht zugleich auf Erfahrungen in der Vergangenheit. Es beinhaltet – durch den Verzicht auf Kontrolle – individuelle Verletzbarkeit und erweitert – durch Reduktion von Komplexität– individuelle Handlungsmöglichkeiten. Vertrauen ist somit ein Zustand zwischen Wissen und Nicht-Wissen. Es ist aber kein abstraktes theoretisches Phänomen, sondern basiert immer auf einer Praxis. D.h. blindes Vertrauen gibt es de facto nicht, da Vertrauen immer auf Gründen und Erfahrung basiert.

Die Vertrauenswürdigkeit eines Akteurs ist unteilbar, d.h. jeder Eindruck zählt und muss stimmig sein. Dabei darf die Selbstdarstellung nicht von beobachtbaren Verhaltensweisen divergieren. Das ist besonders für Unternehmen relevant.

Verantwortung vs. Verantwortlichkeit

„Verantwortung“ und „Verantwortlichkeit“ sind beides Übersetzungen aus dem Englischen „responsibility“, haben aber unterschiedliche Bedeutungen: Verantwortung wird als (ablehnbare) Möglichkeit gesehen, Verantwortlichkeit als klare Verpflichtung. Dieser Unterschied wird noch deutlicher, wenn man die rechtlichen Rahmenbedingungen betrachtet. Verantwortlich wird hier mit „haftbar“ gleichgesetzt, wobei zwischen Verhaltens- und Zustandsverantwortlichkeit unterschieden wird.

Reputation

Reputation bezeichnet den Ruf eines Menschen, einer Gruppe oder einer Organisation. Sie hat Evaluierungs-Funktion, d.h. sie hilft dabei, abzuschätzen wie sich jemand zukünftig verhalten wird. Diese Berechenbarkeit erleichtert Entscheidungen und spart damit Aufwand. Im Gegenzug zum Image lässt sich Reputation nicht durch eine Maßnahme (z.B. Kampagne) erzielen. Sie ist die Summe vieler Eindrücke und Erfahrungen.
Die Reputation eines Unternehmens stellt den höchsten immateriellen Wert eines Unternehmens dar und wird als solcher in den Bilanzen ausgewiesen. Damit zahlt Reputation direkt in den Shareholder Value ein.

Reputation Management

Ziel von Reputation Management ist die Steigerung des Unternehmenswerts. Methoden sind u.a. Marken- und Unternehmensanalysen, Online Tracking u.ä. Reputation Management umfasst derzeit primär jene Unternehmensaktivitäten die einer positiven Unternehmensreputation dienen. Dabei ist die Grenze zur Manipulation, v.a. bei Optimierung der Online-Präsenz, sehr dünn, nicht zuletzt weil Gegensteuern durch reine Kommunikationsmaßnahmen – ohne Verbindung zu Änderungen im Unternehmenskern bzw. der Haltung – keine dauerhafte und stabile Erhöhung von Glaubwürdigkeit und Reputation schafft.

Legitimation

Legitimation oder Legitimierung bezeichnet die Berechtigung bzw. Rechtfertigung eines Akteurs bzw. einer Sache. Basis dafür ist Akzeptanz, wobei Legitimation aber nicht mit Akzeptanz gleichzusetzen ist (Gefahr des Opportunismus).
Legitimation hängt von zwei Komponenten ab: der Bereitschaft, eigenes Handeln von Legitimierbarkeit abhängig zu machen, d.h. Anerkennung v. Ethik und Rechten anderer (derzeit Widerspruch zu vorherrschendem Primat) sowie der Bereitschaft, auch andere einzubeziehen, d.h. echter Dialog bzw. Diskurs.

Prinzipien

Ein Prinzip ist ein Grundsatz, der anderen Gesetzmäßigkeiten übergeordnet ist. D.h. im klassischen Sinne steht das Prinzip zwingend an oberster Stelle, im alltäglichen Sprachgebrauch wird dies aber weniger streng gehandhabt. Prinzipien können somit nicht wie Regeln per Dekret gehandhabt werden, sie müssen diskursiv entwickelt und gelöst werden.

Normen

Normen sind Handlungsvorschriften (= Regeln). Sie schreiben vor, was man (nicht) tun darf oder soll. Beispiele: Gesetze, Spielregeln, Benimmregeln, Schulordnung, Straßenverkehrsordnung

Quellen:
Faber-Wiener, G., 2013 | Hartmann, 2011 | Mocny, F., 2011 | Six und Schäfer, 1985 | Suchanek, A., 2012 | Walter, 2011 | Thielemann, U., 2009