11 Thesen zum Status Quo von Ethik, CSR und Verantwortung

CSR ist an einem Scheideweg. Und weicht der Schlüsselfrage: Was ist die Rolle meines Unternehmens in der Gesellschaft? Wie soll ich im Spannungsfeld zwischen Verantwortung, Gewinn und Wettbewerb handeln? behände aus.

Die folgenden 11 Thesen sind ein Mix zum Status Quo und zu Vision von CSR, Verantwortung und Ethik. Und natürlich auch ein Plädoyer für mehr Ethik.

Wir freuen uns auf Ihre Meinung – und Ihre Thesen – dazu!

  1. Unternehmen stehen an der Systemgrenze
    Nämlich an der Grenze von CSR- und Nachhaltigkeitsprogrammen hin zur angewandten, systematischen Business Ethik. Dabei geht es ums Eingemachte, darum wie Entscheidungen auf Top-Ebene getroffen werden. Für Unternehmen bedeutet das Flagge zeigen in Bezug auf ihre Verantwortung. Die nächsten Jahre werden entscheidend sein.
  2. Milton Friedman und Adam Smith sind lebendiger denn je – werden aber oft falsch verstanden.
    Das Zitat „The responsibility of business is to increase its profits“ von Milton Friedman aus den 70er Jahren und die Metapher von der unsichtbaren Hand des Marktes, die Adam Smith 200 Jahre davor prägte, stehen heute noch im Zentrum des Denkens und Handelns vieler Führungskräfte – auch in Österreich. Man sollte sich einmal mit der wahren Bedeutung dieser Aussagen zum Wirken des Marktes und dessen moralischen Rahmenbedingungen auseinandersetzen.
  3. Werte müssen gemanagt werden – nicht verkündet.
    Propagierte, aber nicht gelebte Werte und künstliche Werteprozesse machen Unternehmen unglaubwürdig. Die Folge: Zynismus, demotivierte Mitarbeiter, Konsumentenboykott etc. Echtes Wertemanagement braucht Haltungsänderung und den Willen, Werte im Unternehmen auch zum Leben zu erwecken – bis hin zur Änderung der Prozesse und Incentives.
  4. Zwei-Welten-Prinzip zerreißt Manager
    Hier Business, dort Ethik und Verantwortung – oft steht das Handeln im Geschäftsalltag und im Wettbewerb im Widerspruch mit persönlichen Werten und Prinzipen. Das führt zu Burnout, Stress, Ineffizienz… Wir brauchen andere Anreizsysteme und mehr Raum für Ethik.
  5. Compliance ist kein Ersatz für Integrität
    „Gelesen, gelacht, gelöscht“ – Reaktion auf überbordende Regeln. Verordnete Verantwortung und systematisches Misstrauen stempeln Menschen als unmündigen Störfaktor ab. Wir brauchen ein neues Verständnis der ethischen Dimension des Wirtschaftens: Ethik-Know-how und Integrität. Dann erübrigen sich manch detaillierte Regelwerke.
  6. Unternehmen brauchen Korrektive
    Ohne Druck geht nichts. „We need watchdogs, not lapdogs“ drückte es der CEO eines internationalen Konzerns einmal aus. Druck aus der Zivilgesellschaft, von NGO und Politik sind notwendig für eine gesunde Balance des gesellschaftlichen Systems. Der wird aber zunehmend schwächer, die Macht verschiebt sich Richtung Unternehmen. Unter anderem eine der negativen Auswirkungen von falsch verstandener Stakeholderorientierung? Es darf ruhig ein bissl weniger Harmonie sein.
  7. CSR ohne Ethik ist Greenwashing
    Beschränkt sich CSR im Unternehmen nur auf Projekte, Programme oder Reporting, bleibt die Verantwortung Makulatur. Bei Unternehmensethik geht es um die Qualität des Kerngeschäfts und die Berücksichtigung der legitimen Rechte und moralischen Ansprüche der Stakeholder. Die Fragen, die sich die Geschäftsleitung in diesem Zusammenhang stellen muss, sind nicht mit Projekten zu beantworten.
  8. In börsenotierten Unternehmen hat es CSR oft schwer
    Vor allem, wenn die Shares schnell den Besitzer wechseln, Eigentumsverhältnisse intransparent und Eigentümer anonym sind. Wir sind uns einig: Die Führungsspitze spielt eine Schlüsselrolle für CSR. Aber was ist mit der Haltung der Eigentümer? Letztlich verunmöglicht Gewinnmaximierung, die bei AGs vorherrscht, Ethik und erstickt somit „gute“ CSR im Keim. Dabei würde Gewinnorientierung oft ausreichen.
  9. Stakeholder sind keine Objekte.
    Der Stakeholder-Ansatz ist heute ein nicht mehr wegzudenkendes Element jeder CSR -Strategie. Das Problem liegt mitunter in der Umsetzung: als Dialog getarnter Monolog, reines Management statt Involvement, Instrumentalisierung für die eigenen Zwecke. Das führt letztlich zum Gegenteil von dem, was die Auseinandersetzung mit seinen Stakeholdern erreichen soll und schafft Misstrauen auf beiden Seiten.
  10. Mehr Reporting heißt nicht automatisch bessere CSR
    Nachhaltigkeits-Reporting nimmt zu und bekommt durch die aktuelle EU-Direktive neue Dynamik. Gleichzeitig wird Integrated Reporting gepusht. Unternehmen sehen die Berichtspflicht über die Non-Financials erstmal skeptisch, Integrated Reporting klingt mit der Hauptzielgruppe der Finanzinvestoren vordergründig vielleicht sogar attraktiver. Die Qualität der Verantwortung der Unternehmen lässt sich aber nicht am Bericht festmachen. Vor allem wenn der Wille zu echter Integration nach wie vor zu wünschen übrig lässt.
  11. CSR als Business Case hat ein Problem
    Mehr Gewinn durch CSR: Dieser Business Case CSR wird oft verkündet. Ist er alleiniger Antrieb, besteht die Gefahr, dass das Thema gestoppt wird, sobald der Business Case nicht mehr darstellbar ist: Das Unternehmen macht nur  „in Verantwortung“, so lange es sich rechnet. Ist die Motivation hingegen intrinsischer Natur – z.B. „das Richtige zu tun“ – kann es schon passieren, dass daraus automatisch ein Business Case entsteht – der gekommen ist, um zu bleiben.

Gabriele Faber-Wiener + Barbara Coudenhove-Kalergi

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